14.07.2022

In Krisenzeiten wie diesen ist im Immobilien-Management schnelles Reagieren gefragt. Grundlage für fundierte Entscheidungen sind aussagekräftige Daten, wie sie heute viele heterogene PropTech-Anwendungen digitalisiert zur Verfügung stellen. Weil die einzelnen Anwendungen aber in der Regel nicht kompatibel sind, lassen sich die Daten nicht aggregiert auswerten. Der Entscheider erhält somit kein genaues Gesamtbild; eine verheerende Situation!     

Der deutsche Immobilienmarkt ist bei institutionellen Investoren beliebt. Das geht aus der Studie „Investing in German Real Estate“ der Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) hervor. Für Deutschland sprechen danach die ungebrochen hohe Nachfrage nach Wohnraum und Büroflächen, wenig Leerstand, politische Stabilität und eine vergleichsweise sichere Wirtschaftssituation. Ein unerwartet großer Anteil von 75 Prozent der institutionell gehaltenen Immobilien wird dabei von ausländischen Investoren gehalten. Und viele dieser Investoren sind noch nicht einmal hier vor Ort mit einem Standort in Deutschland vertreten. Das wird besonders dann zu einem Problem, wenn sich die Marktbedingungen ändern und schnelles Reagieren gefragt ist. So wie zurzeit.

Mangelhafte Datenbasis – eine tickende Zeitbombe

Wir leben in einer Zeit multipler Krisen: Die andauernde Corona-Pandemie, der Krieg in der Ukraine und nicht zuletzt der sich beschleunigende Klimawandel sorgen in Summe für massive wirtschaftliche Verwerfungen. Auch in Deutschland. Probleme bei den Lieferketten sorgen für Material- und Baustoffmangel; die Unsicherheit bei der Versorgung mit Energie treibt die Preise für Sprit und Gas in ungekannte Höhen und die dramatisch gestiegene Inflation macht das Leben insgesamt so teuer, dass viele Menschen nicht mehr in der Lage sind, ausreichend Lebensmittel zu kaufen oder ihre Strom- und Gasrechnungen zu bezahlen. Hinzu kommt, dass der Immobiliensektor als einer der größten CO2-Verursacher gilt und weit davon entfernt ist, seine #Dekarbonisierungsziele zu erreichen. Das Thema #Nachhaltigkeit und hier vor allem der Erfüllungsgrad von #ESG-Kriterien spielen deshalb bei Investoren eine immer größere Rolle. In unruhigen und ungewissen Zeiten wie diesen müssen gerade institutionelle Investoren einen guten Überblick über ihre Immobilien behalten. Das Asset Management muss wissen, was in seinen Objekten los ist: Wo gibt es Leerstände? Wo entstehen welche Kosten? Wo ist dringender Sanierungsbedarf? Wo lohnt sich eine Investition in mehr Nachhaltigkeit? Welche Objekte sollte man verkaufen, welche kaufen? Fundierte Entscheidungen kann man hier nur treffen, wenn man auf solide Daten zurückgreifen kann. Kann man das nicht, wird ein Immobilieninvestment schnell zur tickenden Zeitbombe!

Asset Management und Property Management – oftmals zwei getrennte Welten

Im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung sind auch im Immobiliensektor viele wichtige Daten oft schon erfasst – teils durch das Asset Management, teils durch das Property Management. Beide Bereiche sind in der Regel aber wenig bis gar nicht verzahnt, sprechen verschiedene Sprachen und nutzen unterschiedliche Systeme. Man spricht dann von sogenannten Silo-Lösungen, das heißt die Erfassung, Strukturierung und Auswertung von Daten über verschiedene Programme funktioniert für sich alleine genommen in jedem dieser Bereiche. Aber die Systeme sind untereinander nicht kompatibel und erlauben deshalb keinen Austausch oder eine aggregierte Auswertung aller gesammelten Daten. Dann sind keine verlässlichen Aussagen dazu möglich, inwieweit eine einzelne Immobilie oder gar ein ganzes Portfolio Nachhaltigkeitskriterien wie zum Beispiel bezüglich des Energieverbrauchs oder des Abfallmanagements erfüllt. Damit wird es natürlich auch schwierig, geeignete Maßnahmen zur Senkung der Verbräuche oder für eine bessere Müllsammlung bzw. -trennung zu identifizieren und umzusetzen. Abhilfe schaffen hier digitale Plattform-Lösungen, die einen einheitlichen, kompletten Workflow zwischen Property und Asset Management abbilden und auf denen sämtliche Daten zusammengeführt und anschließend beliebig und am besten in Echtzeit ausgewertet werden können.

Fortschreitende Digitalisierung verlangt nach Plattformlösungen

Was wir brauchen, ist eine offene Lösung, die die Informationsbedürfnisse aller Stakeholder einer Immobilie abdeckt und so Eigentümern und Betreibern von Immobilien eine zeitgemäße Plattform für die smarte und flexible Digitalisierung im Immobilienmanagement bietet. Nicht zuletzt die Notwendigkeit des ESG-konformen Steuerns von Immobilien erfordert standardisierte Datenmodelle und -anwendungen. Die konkreten Vorteile von Plattform-Lösungen: Sie machen die Struktur eines Portfolios sichtbar und erlauben den Einsatz beliebiger Filter. Sie bündeln sämtliche Stammdaten von Immobilien, alle relevanten Anlagedaten kommen direkt von den technischen Dienstleistern. Plattformen ermöglichen eine vollständige Objektdokumentation und vereinfachen damit Transaktionen. Miet-, Pacht- und Wartungsverträge lassen sich zudem leicht mit Gebäudedaten verknüpfen und an einem Ort verwalten. Und nicht zuletzt lassen sich alle #Daten auf Knopfdruck abrufen, beliebig gruppieren, analysieren und gegebenenfalls mit Dritten teilen.

Beispiele für solche Plattformen sind:

PWC Ecosystem: Umfassende cloudbasierte Plattform, die dem User ein hohes Maß an Individualisierung durch die freie Wahl an Applikationen (PropTechs, ConTechs) ermöglicht.

Realcube: Umfassende cloudbasierte Plattform, die eine smarte und flexible #Digitalisierung und ESG-Konformität im Immobilienmanagement bietet. Mit standardisiertem Datenmodell und offenen Schnittstellen.

Arcadis: Entwickelt im Rahmen eines Forschungsprojektes zusammen mit dem Fraunhofer Institut ein „Sustainability Dashboard“ für die Logistik-Branche. Es soll den Nutzern ermöglichen, ihre ESG-Readiness anonym bewerten zu lassen, ESG-spezifische Branchenbenchmarks zu erlangen sowie die Funktion eines unternehmensspezifischen Dashboards zu übernehmen.

Messdatenerfassung Ecore: Schaffung eines einheitlichen Reportings.

PropTech-Insellösungen bringen uns nicht voran

Noch sieht die Wirklichkeit aber vielerorts anders aus: Da ist der Datenfluss zwischen Asset-, Property- und Facility-Management immer noch unzureichend und intransparent. Dabei ist Datentransparenz heute eigentlich für jedes Unternehmen unverzichtbar – gerade auch mit Blick auf die zu Jahresbeginn in Kraft getretene neue EU-Taxonomie, die das Thema Nachhaltigkeit und ESG-Kriterien noch stärker in den Vordergrund gerückt hat. Bei der Transformation des Immobiliensektors spielen die #PropTechs eine herausragende Rolle. Sie bringen die innovativen Lösungen, die der Markt so dringend braucht. Aber wenn jede Lösung nur eine Insellösung bleibt, kommen wir nicht voran, denn ein nachhaltiges und ESG-konformes #Immobilienmanagement ist ohne aktuelle und nachvollziehbare Daten und einer aggregierten Auswertung nicht möglich. Bei der Entwicklung und Umsetzung digitaler Strategien für das Immobilienmanagement werden deshalb Themen wie API-Kompatibilität und ESG-Konformität immer wichtiger. Energieverbräuche und viele weitere KPIs in Echtzeit analysieren zu können, dürfte für die #Zukunftsfähigkeit der digitalisierten #Immobilienbranche zum Schlüsselfaktor werden.

Über den Autor

Philipp Kraft ist leidenschaftlicher Unternehmer und technikaffiner Investor und hat Erfahrung im Aufbau und in der Vergrößerung von Unternehmen auf der ganzen Welt. Er hat erfolgreich mehrere Firmen gegründet und namhafte Großkonzerne bei Produkteinführungen unterstützt und beraten. Seit August 2021 ist er bei Realcube, Betreiber einer Cloud-Plattform für die smarte und flexible Digitalisierung im Real Estate Management, als COO tätig.

Originally published by: blackprint. Find the link to the original article here.

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